Man kann die Gesetzeslage in der Schweiz zu Tabak und Tabakprodukten nur verwirrend nennen, wenn man es freundlich ausdrücken möchte. Zum einen werden die verbliebenen Schweizer Tabakbauern mit Millionenbeträgen gefördert, zum anderen werden schwer schädliche Tabakprodukte zugelassen, wie die bekannte und erfolgreiche E-Zigarette.
Tabak ist schädlich, in welcher Form auch immer er konsumiert wird. Studien über die Schädlichkeit des Zigarren- und Zigarettenrauches gibt es mittlerweile zuhauf. Studien über die belastenden Stoffe der E-Zigaretten, auch der nikotinfreien, werden neuerdings in regelmässigen Abständen veröffentlicht.
Einzig Kautabak oder Snus haben keinerlei krebserregende Auswirkungen auf die menschliche Lunge. Was genau der Tabak unter der Oberlippe dem Zahnfleisch antut wird in der Schweiz noch zu untersuchen sein. Tatsache bleibt aber, die E-Zigarette hält niemanden vom schädlichen Rauchen und Inhalieren krebserregender Stoffe ab.
Die Legalisierung von Snus wurde schon im Juni 2013 vom Nationalrat Lukas Reimann als Gesetzesvorlage ins Parlament eingebracht. Er leugnet keineswegs, dass auch diese Form des Tabak die Gesundheit gefährdet. Belegt seine Forderung nach der Legalisierung des Verkaufes davon allerdings mit beeindruckenden Zahlen aus Schweden bezüglich Sterblichkeit und Lungenkrebs.
Vielleicht findet NR Reimanns Vorstoss keinen grossen Anklang, weil er Werbung für die schwedische Firma Snushof AB betrieben hat. Diese senden, eine Gesetzeslücke nutzend, schwedischen Oraltabak für den Privatkonsum direkt an ihre Schweizer Konsumenten. Die Verkaufszahlen steigen jährlich und werden den Gründern durch die widersprüchliche Gesetzeslage zu einem erfolgreichen Unternehmen verhelfen. Wertschöpfung bleibt in Schweden!
Da Kautabak nach wie vor legal ist, können Schweizer Kunden lehmartige, verpackte Snussorten ungehindert online bestellen. Auch loser Tabak für den oralen Gebrauch kann ohne Angst bezogen werden. Wie lange dies noch so bleibt und was sich mit dem neuen Tabakgesetz frühestens 2022 wirklich ändert, ist heute noch nicht abzusehen.
Lukas Reimann ist allerdings recht zu geben, wenn er bedenkt: Konsequenz wäre ausnahmslos alle Tabakprodukte zu verbieten. Aus rein gesundheitlicher Sicht ist nicht einzusehen, warum der weniger belastende Snus oder Kautabak verboten sein soll und die weitaus schädlicheren Zigaretten und neuerdings trendigen E-Zigaretten erlaubt sind.
Eine Legalisierung von Snus mit ordentlicher Regelung im Jugendschutzgesetz könnte der Abhängigkeit von Rauchern und Dampfern ein Ende setzen und deren Lungen und Herz-Kreislauf-System schonen. Studien beweisen mittlerweile eindrucksvoll, durch die E-Zigarette ist nicht viel Gesundheit gewonnen. Über die schädlichen Aerosole der nikotinfreien Liquids müssen erst noch Langzeitstudien erstellt werden. Statistiken in Schweden zum Genuss von Snus belegen jedenfalls die stark sinkende Zahl von Rauchern. Auch das ungemein schädliche Passivrauchen, weswegen man die Verbote in Gastronomie und Büros ja verhängt hat, wird mit dem schwedischen Oraltabak umgangen.